PferdeZentrum Fister, Bilsen

Pferdezentrum Fister - Gesundheit und SportPferdezentrum Fister in Bilsen

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Tierärztliche Klinik für Pferde

Nuklearmedizin (Szintigraphie)

Die Szintigraphie stellt eine bedeutende Diagnostikmöglichkeit bei orthopädischen Problemen dar, mit der aktive, entzündliche Prozesse und somit erhöhte Knochenstoffwechselaktivitäten am Skelett des Pferdes festgestellt werden können. Das große Plus der Szintigraphie besteht zum einen darin, zu differenzieren, welche Veränderungen am Knochen "aktiv" und Schmerz auslösend sind. Zum anderen können Problembereiche am Knochen diagnostiziert werden bevor z. T. röntgenologische Erscheinungen auftreten, so dass die Szintigraphie diagnostisch frühzeitiger fasst. Ein weiterer Vorteil dieser Diagnostikmöglichkeit besteht darin, dass auch Körperregionen untersucht werden können, die wie beispielsweise die Hüfte röntgenologisch schwer darstellbar sind.

Bei der Szintigrafie wird dem Pferd ein Radiopharmakon in die Halsvene injiziert, das sich über die Blutbahn verteilt. Dieser radioaktiv markierte Stoff ist an eine Trägersubstanz gebunden und lagert sich innerhalb von 2 Stunden am gesamten Skelettapparat an. Es können somit drei Phasen der Szintigraphie unterschieden werden:

  1. Poolphase zur Blutgefäßdarstellung (z.B. bei Hufrehe, Venenentzündung, Thrombose)  

  2. Weichteilphase zur Sehnen- und Bänderdarstellung

  3. Knochenphase

Bei Entzündungsprozessen kommt es zu einer verstärkten Anreicherung des Radiopharmakons. Mit Hilfe einer Gammakamera wird nun die vom Knochen ausgehende radioaktive Strahlung aufgenommen und in ein Bild umgewandelt. Die entstandenen Bilder können den Stoffwechsel- bzw. Entzündungszustand des Knochens widerspiegeln: Veränderungen mit gesteigertem Knochenstoffwechsel wie beispielsweise Fissuren, knöcherne Reaktionen oder Bänderrisse sind typischerweise mit einer vermehrten Anlagerung der radioaktiven Substanz an den Knochen und somit einer höheren Abgabe von Strahlen verbunden. Bildlich zeigt sich diese erhöhte Strahlenabgabe durch eine intensivere Färbung (hot-spot) gegenüber der Umgebung.

Wenn nicht beispielsweise ein Frakturverdacht vorliegt oder das Pferd hochgradig lahm ist, wird es vor der Untersuchung longiert oder geritten, damit die Durchblutung angeregt wird. Sollen die Extremitäten szintigraphiert werden, werden die Gliedmaßen mit Unterlagen und Bandagen eingepackt, um die Durchblutung zu unterstützen, außerdem werden die Hufe abgeklebt, um eine Kontamination mit Urin zu verhindern. In der Regel wird zwei Stunden nach der Injektion des Radiopharmakons mit den Messungen begonnen (Knochenphase). Ausnahmen sind spezielle Fragestellungen wie zum Beispiel bei Hufrehe, die kurz nach der Injektion gemessen werden (Poolphase). Die Szintigraphie wird routinemäßig am stehenden, gut sedierten Pferd durchgeführt. Die durch einen Gabelstapler bewegliche Gammakamera wird an die verschiedenen Körperpunkte gefahren, die Strahlung wird mit Hilfe der Kamera gemessen und bildlich auf dem Monitor dargestellt.

Nach der szintigraphischen Untersuchung muss der vierbeinige Patient aus Strahlenschutzgründen zwei Tage in der Klinik bleiben. Dann ist das Radiopharmakon über den Urin ausgeschieden, der Patient gibt keine Strahlung mehr ab. Nun können sich bei Bedarf weitere Untersuchungen (Röntgen, Ultraschall) des vermehrt strahlenden Bereichs anschließen, um die Veränderungen genauer abzugrenzen. Zwei Tage nach der Szintigraphie können Sie Ihr Pferd auch nach Hause abholen.

Podotrochlose/Strahlbeinentzündung

Podotrochlose/Strahlbeinentzündung (Bild 1):

Die Aufnahme des Hufbeins vorne beiderseits wurde von der Sohle aus durchgeführt (Palmaransicht).
In der Szintigraphie ergab sich eine deutlich vermehrte Anreicherung in den Strahlbeinen vorne beiderseits, rechts mehr als links.
Die Röntgenaufnahmen der Strahlbeine dieses Pferdes zeigten beiderseits massiv veränderte Gefäßkanäle  (sog. "Lollipops") in der Oxspring- und Skyline-Projektion.

Insertionsdesmopathie der Ligamenta collateralia der Hufgelenke (Entzündung der Hufgelenk-Seitenbänder)

Insertionsdesmopathie der Ligamenta collateralia der Hufgelenke (Entzündung der Hufgelenk-Seitenbänder) (Bild 2):

Ansicht der Zehe vorne beiderseits seitlich (90°) und der Hufe von der Sohle aus (Palmaransicht).
In der palmaren Projektion ist eine vermehrte Anreicherung im Bereich der Ansätze der Seitenbänder des Hufgelenkes am Hufbein darstellbar, vorne rechts ist sowohl das innere als auch das äußere Seitenband betroffen, vorne links lediglich das äußere. In der seitlichen Ansicht reichern die Hufbeine insgesamt diffus an.
Röntgenologisch zeigten sich im Bereich der inneren Ansätze der Seitenbänder deutliche Ausziehungen am Knochen sowie eine sehr rauhe Knochenstruktur am Hufbein, ultrasonographisch waren beide inneren Seitenbänder deutlich verdickt und von inhomogener Struktur.

Hufbeinastfraktur

Hufbeinastfraktur (Bild 3):

Ansicht der Zehe hinten beiderseits in der seitlichen und rückwärtigen Projektion (90° und 180°).
Massive generelle Anreicherung im Hufbein hinten links sowie deutlicher "Hot Spot" am inneren Hufbeinast.
Im Röntgenbild war eine Fraktur des inneren Hufbeinastes darstellbar.

Sesamoidose

Sesamoidose (Bild 4):

Ansicht der Zehe hinten beiderseits in der seitlichen (90°) und rückwärtigen Projektion (Plantaransicht, 180°).
"Hot Spot" im lateralen Gleichbein hinten rechts. Im Röntgenbild waren deutliche Strukturauflösungen und eine sehr unruhige Knochenkante darstellbar.
Linkes Hinterbein mit Normalverteilung des Technetiums.

Spat

Spat (Bild 5):

Aufnahme der Sprunggelenke in 2 Ebenen (90° und 180°).
Hochgradige Anreicherung im Bereich der straffen Gelenke des rechten Sprunggelenkes (TMT = Tarsometatarsalgelenk und DIT = distales Intertarsalgelenk) sowie geringgradige Anreicherung der straffen Gelenke des linken Sprunggelenkes.
Im Röntgenbild waren im Bereich des DIT knochenauflösende (osteolytische) Prozesse erkennbar, im Bereich des TMT dagegen zubauende.

Insertionsdesmopathie des Fesselträgerursprungs (HSD = High Suspensory Desmitis)

Insertionsdesmopathie des Fesselträgerursprungs (HSD = High Suspensory Desmitis)

Insertionsdesmopathie des Fesselträgerursprungs (HSD = High Suspensory Desmitis) (Bild 6 und Bild 7):

1. Aufnahme der Sprunggelenke in 2 Ebenen (90° und 180°).
Massive Anreicherung im Bereich des Fesselträgerursprungs hinten links, sowohl in der seitlichen als auch der rückwärtigen Ansicht.
Röntgenologisch war eine Avulsionsfraktur (=“Ausrissfraktur“) nachweisbar, ultrasonographisch stellte sich der Fesselträger im Ursprungsbereich deutlich verdickt dar.

2. Aufnahme der Vorderfußwurzelgelenke in seitlicher und frontaler Projektion (90° und 0°).
Ebenfalls deutliche Anreicherung im Bereich des Fesselträgerursprungs vorne links in beiden Ebenen.
Das Röntgenbild zeigte eine Veränderung der Knochenstruktur im Ursprungsbereich des Fesselträgers, jedoch keine Avulsionsfraktur. Ultrasonographisch ließ sich in diesem Fall jedoch keine Verdickung des Fesselträgers darstellen.

Kniegelenksarthrose/Gonarthrose

Bild 8

Kniegelenksarthrose/Gonarthrose

Bild 9

Kniegelenksarthrose/Gonarthrose

Bild 10

Kniegelenksarthrose/Gonarthrose (Bild 8, Bild 9 und Bild 10):

Seitliche Aufnahmen der Knie (90°) sowie frontale Ansicht (0°).
Bild 8: Anreicherung des Radionuklids im rechten Knie.
Die Arthroskopie ergab einen Einriß des inneren Meniskus sowie eine deutliche Knorpeldegeneration, jedoch waren röntgenologisch keine Veränderungen im Knie darstellbar.

Bild 9: Anreicherung im rechten Knie im Bereich des Ansatzes des vorderen Kreuzbandes.
Im Röntgenbild war ein zystoider Defekt im Bereich des "Hot Spot" darstellbar. Der Ausriß des vorderen Kreuzbandes mit seinen Folgeerscheinungen ist Ursache der Lahmheit.

Bild 10: Anreicherung im Bereich der Tuberositas tibiae des rechten Knies.
Es war kein röntgenologischer Befund und keine Veränderungen der Kniescheibenbänder im Ultraschall darstellbar.
Verdachtsdiagnose: Knochenödem.

Kissing Spine-Syndrom

Kissing Spine-Syndrom (Bild 11):

Seitliche Ansicht rechts und links im Bereich der Sattellage.
"Hot Spots" im Bereich von 3 nebeneinander liegenden Dornfortsätzen.
Im Röntgenbild stellten sich die entsprechenden Dornfortsätze z.T. überreitend und osteolytisch (knochenauflösend) dar.
Fortgeschrittenes Stadium des Kissing Spine-Syndroms.

Spondylose

Spondylose (Bild 12):

Ansicht des Rückens im Bereich der Sattellage.
Vor allem in der seitlichen Ansicht von links ist im Bereich der hinteren Sattellage eine hochgradige Anreicherung des Radionuklids an der Unterseite der Wirbelkörper darzustellen. Das zugehörige Röntgenbild zeigte dort massive Verknöcherungen der ventralen Wirbelsäule, aber auch 1 Dornfortsatz-Engstand im Bereich der hinteren Sattellage sowie knöcherne Zubildungen an 2 weiteren Dornfortsätzen im vorderen Sattellagenbereich. Aufgrund der schlechten Prognose und der akuten Schmerzhaftigkeit führte dies zu einer Unbrauchbarkeit des Pferdes bezüglich der reiterlichen Nutzung.

Arthropathie der Iliosacralgelenke (Kreuzdarmbeingelenke) und der lumbosacralen Intertransversalgelenke

Arthropathie der Iliosacralgelenke (Kreuzdarmbeingelenke) und der lumbosacralen Intertransversalgelenke (Bild 13):

Aufsicht auf das Kreuzdarmbeingelenk und die Lendenwirbelsäule.
Massiv vermehrte Anreicherung des Radionuklids im rechten ISG und geringgradige Hofbildung im Bereich des linken ISG.
In der transrektalen Ultraschalluntersuchung waren osteophytäre Zubildungen an den lumbosacralen Intertransversalgelenken und am ISG beiderseits sowie eine deutliche Verbreiterung des Ligamentum ventrale rechtsseitig darstellbar.

Zahnfraktur

Zahnfraktur (Bild 14):

Ansicht Schädel seitlich (90°).
Anreicherung des Radionuklids im Bereich des 4. Backenzahnes (M1) des linken Oberkiefers. In der Röntgenaufnahme war eine Fraktur des M1 darstellbar, zudem bestand klinisch eine eitrige Infektion der Kieferhöhlen beiderseits.